Kurzinterview Nr. 2 zu Zeiten von Corona

Wir gehen mit den Kurz-Interviews in die 2. Runde. In den Kurz-Interviews stellen wir wie immer drei (oder mehr) Fragen an Experten aus der E-Bike-Szene und geben Sie hier unverändert wieder. Wir freuen uns sehr über die Antworten der Teilnehmer der zweiten Runde. Dankeschön!


Geantwortet haben uns diesmal: 
1) Bernd von Radreiseglück.de
2) Andre von Fahrradherz.de
3) Alex von pedelecmonitor.de

Die drei Fragen lauten:
Frage 1: Hast du ein E-Bike und wie nutzt du es hauptsächlich? Wenn nein, warum nicht bzw. wie stehst du zum E-Bike?
Frage 2: Was sind die wichtigsten Utensilien bei deinen Touren? Oder kann man das gar nicht abstufen?
Frage 3: Hat dir Corona bei deinen diesjährigen Fahrradtour-Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht oder dich eingeschränkt?


Frage 1: Hast du ein E-Bike und wie nutzt du es hauptsächlich? Wenn nein, warum nicht bzw. wie stehst du zum E-Bike?

Bernd von Radreiseglück.de
Insgesamt stehen fünf Fahrräder in der Garage. Dabei geht die Reise einmal quer durch die Bike-Welt: Ein Norwid Reiserad, ein Trek MTB aus den 90ern, ein Peugeot Rennrad* aus den 80ern bis hin zu einem historischen Fels Rad und einem liebgewonnenen Hollandrad. Das hat sogar einen Namen: Silberpfeil.

Nur eins hat bislang den Einzug nicht geschafft: Ein E-Bike. Warum nicht? Mein lotusgrünes Reiserad, mit dem ich aktuell unterwegs bin, ist für wirklich lange Touren durch Gebiete gedacht, in denen ich möglicherweise auch ein paar Tage keine Stromversorgung habe und autark sein muss und möchte. Und ich stehe auf die Leichtigkeit und einfache Mechanik der Räder. Wenn im Umkreis von hundert Kilometern keine Werkstatt ist, dann ist es ein gutes Gefühl, sein Rad immer selbst reparieren zu können. Zugegeben ein recht spezielles Setup – da passt ein E-Rad nicht so recht rein.

Nichtsdestotrotz: Der E-Bike Boom ist in vollem Gange – und das mit Recht.

Die neuen Bikes bringen Menschen wieder aufs Rad, die sonst keine Touren mehr fahren würden. Denn sie ermöglichen ihnen eine neue Reichweite, die sie mit Bewegung zu einem schönen Ausflugsziel führt und ihnen garantiert, dass sie unterwegs nicht schlapp machen. Diese Angst wird ihnen genommen – und das unabhängig vom Alter.

Und es gibt ja noch weitere Möglichkeiten:
Du möchtest eine Tour mit der ganzen Familie machen, aber sie trauen es sich nicht zu? Biete ihnen ein E-Bike an. So geschehen 2018 auf unserer Tour entlang der LF1 Nordseeroute, die du auch auf meinem Blog findest. Unser damals 11-jähriger Sohn konnte so locker mithalten und hatte Spaß dran.

Du bist Jobpendler und hast Angst, verschwitzt bei der Arbeit anzukommen, wenn du mit dem Rad pendelst? Mit einem E-Bike kommst du entspannt an und bist auch über den Tag noch erträglich für Deine Mitmenschen. Und auf dem Rückweg kannst du ja immer noch richtig Gas geben – denn auch das geht mit E-Bike! Nebenbei entlastet es Innenstädte und schont das Klima!

Wann ich mir ein E-Rad hole? Das ist eine gute Frage. Natürlich beschäftige ich mich mit E-Bikes wie mit allen anderen Fahrrädern. Und ganz ehrlich: Bei manchen kann ich wirklich schwach werden – denn ich liebe Technik. Solange ich autark unterwegs sein kann, fahre ich noch den klassischen Muskelantrieb. Aber irgendwann…

Übrigens: Das Schlimmste, was es für mich beim Thema E-Bike gibt, ist das „Bashing“ zwischen E-Bike- und Normalantrieb-Radlern. Denn am Ende zählt nur eins: Alles ist gut, was den Menschen auf dieses wunderbare Fortbewegungsmittel Fahrrad bringt. Für Mensch und für Umwelt. Gegenseitige Rücksicht und Verständnis hat noch keinem geschadet. Das vermittle ich auch auf meinem Blog radreiseglueck.de mit seinen Facebook und Insta Channels. Denn es zählt nur eins: Die Freude am Radeln!

Andre von Fahrradherz.de
Ja, ich besitze ein Pedelec. Es ist für mich die schönste Art der Fortbewegung. Besonders auf meinen Fahrradtouren hat sich das Pedelec besonders bewährt. Es ist bequem in seiner Ausführung und lässt einen großen Radius zu, den ich ohne Motor vielleicht nicht immer so fahren würde. 

ACTIVA PRO PINION. Bild © Rose Bikes

Alex von pedelecmonitor.de
Ich habe ein Pedelec, welches ich hauptsächlich zum Pendeln zur Arbeit und für den Kindertransport zusammen mit einem Kindersitz und einem Doppelkinderanhänger nutze. Da wir sehr hügelig wohnen, habe ich mich damals für einen der stärksten Antriebssysteme entschieden. Bei mir zählt Zuverlässigkeit weitaus mehr, als 5 Nm mehr Drehmoment im Peak. Daneben darf ich auch ab und zu mal ein paar Pressebikes bewegen – die eindrucksvollsten bisher waren das Klever X-Speed Modell 2020 und das Tern GSD Modell 2018.

Ich halte (S-)Pedelecs für eine ausgezeichnete Ergänzung zum Auto. Wenn man es einmal nutzt, weiß man, dass das Auto die meiste Zeit stehen bleiben kann. Mir ist aber bewusst, dass das nicht bei jedem klappt. Sei es aufgrund der Längen der zurückzulegenden Entfernungen, der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen oder auch einfach aufgrund der geografischen, finanziellen oder familiären Situation. Das ein Umdenken stattfindet, sehe ich tagtäglich vor den örtlichen Einkaufsläden, wo die in 2019 noch fast ungenutzten Fahrradständer nun über und über mit den neusten Pedelec-Modellen gefüllt sind.


Frage 2: Was sind die wichtigsten Utensilien bei deinen Touren? Oder kann man das gar nicht abstufen?

Bernd von Radreiseglück.de
Nur das, was wirklich dabei sein muss.

Die Frage, die ich mir vor jeder Tour stelle, lautet: Was sind die Utensilien, die ich nicht brauche? Denn die bedeuten unnötiges Gewicht. Und auf langen Touren macht sich das ganz schön bemerkbar. Vielleicht ist es bei einem E-Bike dann nicht so anstrengend, aber es kostet Reichweite – so oder so. Und natürlich ist auch das Gepäckvolumen auf langen Touren begrenzt.

Für Mehrtagestouren musst du zunächst herausfinden, wie Du übernachten möchtest: Feste Unterkünfte oder Zelt? Zelt & Camping bieten maximale Planungsfreiheit für die Tagesziele. Aber es bedeutet auch sofort mindestens eine extra Tasche für Zelt, Schlafsack und mehr. Du kochst selbst? Dann verlangt dein Outdoor Vergnügen ganz schnell, dass du mehr als 10 kg extra Gewicht einplanst. Das sparst du dir bei festen Unterkünften. Beides hat etwas für sich – und beides ist nicht verkehrt.

Dann musst Du prüfen, welches Wetter du erwartest, denn abhängig von den Temperaturen musst Du Deine Bekleidung wählen. Regenschutz ist dabei Pflicht, denn selbst an regenfrei angekündigten Tagen bin ich schon von Regen überrascht worden. Ich musste so lachen, dass das mir als Radreise Blogger passiert!

Und immer essentiell: Werkzeug und die wichtigsten Ersatzteile. Ein ordentliches Multitool*, ein Ersatzschlauch, klassische Reifenflicken und eine zum Ventil passende Minipumpe gehören bei jeder Tour dazu.

Für mich als Blogger sind natürlich Fotoapparat und Smartphone für Notizen essentiell.

Andre von Fahrradherz.de
Auf meinen Touren gibt es immer eine Basic Ausstattung: Diese besteht aus ausreichend Wasser, ein bisschen Werkzeug, sowie ein erste Hilfe Set für einen Notfall. Dazu kommt je nach Wetterlage eine Regenjacke, und für mich als Blogger ganz wichtig: Ein Fotoaparat / Smartphone, ein Block und was zum Schreiben 🙂 

ACTIVA PRO PINION. Bild © Rose Bikes

Alex von pedelecmonitor.de
Die wichtigsten Utensilien auf Touren sind Flickzeug, Werkzeug und ein paar Ersatz-Kettenglieder*. Ohne diese Dinge fahre ich nicht mal mehr in die Stadt runter. Eine gerissene Kette mitten im Winter hat mich schon mal 45 Minuten Lauferei aus dem Wald beschert. Klingelnde Bremsen erledige ich schnell unterwegs. Das Flickzeug brauchte ich bisher noch nicht, da ich seit Jahren problemlos mit Reifeneinlagen unterwegs bin. Diese lassen sich im Gegensatz zu Dichtmilch und anderen pannenfreien Möglichkeiten schnell und leicht beim Wechsel auf Spikes und zurück ummontieren.

Beim Pendeln habe ich natürlich die passende Kleidung im Gepäck dabei, doch das variiert von Tag zu Tag.

Bei Familienausflügen ist bisher fast immer der Doppelanhänger dabei gewesen, der bei müden Kindern zumindest beim Zurückkommen hilft. Das Kinderfahrrad kann dann oben draufgeschnallt werden. Das kann auch bei zwei Kindern funktionieren. Sind mal drei müde oder gestürzt, schaffen wir das auch noch mit Hilfe von Kindersitzen – der Anhänger ist dann natürlich ein wenig überladen!


Frage 3: Hat dir Corona bei deinen diesjährigen Fahrradtour-Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht oder dich eingeschränkt?

Bernd von Radreiseglück.de
Bei langen Touren hat mich Corona aber tatsächlich ausgebremst. Denn ich finde es schwierig, durch Risikogebiete zu fahren und auf Campingplätzen mit zumindest unbekannter Hygiene zu sein, auch wenn sie natürlich alle Auflagen haben. Oder in Ländern unterwegs zu sein, deren Grenzen plötzlich geschlossen werden könnten. Die Hauptsorge einer Ansteckung hängt sicher mit einer pflegebedürftigen Person im Umfeld zusammen, die wir unbedingt schützen möchten.

Aber Tagestouren und auch kurze Mehrtagestouren sind auch während Corona kein Problem.

So zum Beispiel zum wunderschönen Rursee, die Tour gibt’s zum Nachfahren auf meinem Blog. Es gibt so viel zu entdecken in Deiner direkten Nähe – du wirst staunen!

Aber ja: Ich wünsche mir so sehr, wieder auf lange Tour zu gehen. Wenn das Gefühl des Fernwehs in Dir zu brennen beginnt, geht es so schnell nicht mehr weg!

Andre von Fahrradherz.de
Corona hat mich persönlich und meine Touren nicht eingeschränkt. Durch die Corona – Krise gibt es sogar einen Boom auf dem deutschen Fahrradmarkt. Das Fahren mit dem Rad hat neben dem sportlichen Aspekt sogar innerhalb der “Krise” deutlich an popularität gewonnen. Diese Entwicklung ist sehr schön. Nun obliegt es dem Staat die passende Infrastruktur zu Schaffen.

Alex von pedelecmonitor.de
Die derzeitige Weltlage spüren mit Sicherheit alle Bürger. Ich habe im Januar den Hausumbau angefangen und habe aufgrund Kurzarbeit nun sehr viel Zeit für Familie und Umbau. Daher bin ich von meinen 8.000-9.000km pro Jahr durch die Pendelei nun runter auf 1.500km im Ortseinsatz – dennoch kommen fast identische Höhenmeter zusammen! Ich hatte etwas Glück, dass ich zu Beginn dieser Situation im März 2020 zwei Testräder in der Garage hatte. Damit habe ich die meisten Wege zurückgelegt – mal schnell in die Stadt mit dem S-Pedelec oder aber zum Baustoffhof mit einem kleinen Lastenrad*. Es hat auch mir klargemacht, welcher Typ Bike mehr oder weniger Sinn für unsere Situation macht.


Wir danken den Teilnehmern ganz herzlich für ihre Teilnahme!

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